Von Siegfried Laudan, 15. April 2011

Der Lichtenberger Tennisclub e.V. ist im Herzen des Berliner Stadtbezirkes Lichtenberg beheimatet. Die Tennisplatzanlage befindet sich in der Bornitzstraße 17 (Bornitz war der erste Pfarrer im damaligen Dorf Lichtenberg). Die Anlage ist genau dort, wo sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Zentrum des zu dieser Zeit nur wenige hundert Einwohner zählenden Dorfes Lichtenberg befand. Umrahmt wird die Tennisplatzanlage vom gepflegten und erholsamen alten Gutspark, der nur wenige Meter neben der alten Lichtenberger Dorfkirche am Loeperplatz beginnt. In der Nähe befindet sich neben anderen historisch interessanten Bauwerken auch das 1898 im neugotischen Stil erbaute Rathaus Lichtenberg.

Mit seinen fünf Tennisplätzen, dem Clubhaus sowie einem Sanitär- und Umkleidetrakt ist die Anlage heute eine kleine Sport- und Erholungsoase mitten in der Großstadt. Mit dem Bau der Tennisplatzanlage wurde vermutlich in den zwanziger bzw. dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen. Nach dem 2. Weltkrieg gab es noch Fragmente von ehemals drei Tennisplätzen. Große Bombentrichter ließen aber kein Tennisspielen mehr zu. Die Wiederbelebung der Anlage und des Tennissports erfolgte nach 1945 durch einige vor Ort noch verbliebene Tennisenthusiasten mit Unterstützung der Sportstättenverwaltung des Stadtbezirkes Lichtenberg.

Einen bemerkenswerten Aufschwung gab es erst im Jahre 1951 als in der damaligen BSG (Betriebssportgemeinschaft) Einheit Lichtenberg eine Sektion Tennis gegründet wurde, der die Anlage von der Sportstättenverwaltung zugewiesen wurde. Die Wurzeln unseres heutigen Lichtenberger Tennisclub e.V. reichen somit in das Jahr 1951 zurück. Die BSG Einheit Lichtenberg wurde einige Jahre später in BSG Einheit Friesen umbenannt. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren von Karl Friedrich Friesen, dem bekannten Mitstreiter des deutschen „Turnvaters“ Jahn und aktiven Kämpfers im Befreiungskrieg 1813-1815 gegen die Napoleonische Fremdherrschaft im Verband der Lützower Jäger. Anfang der 80-iger Jahre erhielt die Sektion Tennis der Hochschulsportgemeinschaft der in Karlshorst ansässigen damaligen Hochschule für Ökonomie das Recht , die Anlage in der Bornitzstraße mit zubenutzen. Es entwickelte sich ein kameradschaftliches Miteinander der beiden Tennissektionen.

Am 28. Juni 1990 beschlossen die Mitglieder beider Sektionen sich von ihrer jeweiligen BSG zu trennen und zu einem gemeinsamen Tennisverein zu fusionieren. Fortan sollte der gemeinsame Tennisverein „Lichtenberger Tennisclub e.V.“ heißen. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg erfolgte am 22.5.1991. Zwei unserer heutigen Vereinsmitglieder sind als Zeitzeugen schon 1951 als Mitglieder dabei gewesen; Käthe Weiß und Helmut Garisch . Helmut ist unter anderem dank seiner nun schon 60-jährigen Tennislaufbahn mit seinen 86 Jahren immer noch regelmäßig mit viel Spaß und Freude beim Seniorentraining dabei. So schön und die Gesundheit erhaltend kann Tennis sein!

In den vergangenen 60 Jahren hat sich unsere Tennisplatzanlage vorallem dank großem ehrenamtlichen Engagement und umfangreicher Eigenleistungen vieler Mitglieder aus einer Trümmerlandschaft in eine blühende Tennisoase für den Freizeit- und Erholungssport entwickelt. So wurden aus anfänglich drei mäßig bespielbaren Plätzen inzwischen fünf moderne Plätze mit Drainage und automatisch gesteuerten Bewässerungssystem. Dank Unterstützung der Sportstättenverwaltung des Bezirksamtes Lichtenberg erhielt das Gelände eine stabile Einzäunung. Dort wo einst die alte baufällige Baracke als „Vereinshaus“ stand (16.12.1997 durch Brand zum Teil zerstört) wurde in den Jahren 1999 und 2000 ein kleines massives Clubhaus u.a. mit Küche, Bar und großem Gemeinschaftsraum errichtet. Der überwiegende Teil der Geld- und Arbeitsleistungen für den Bau das neuen Clubhauses wurden von den Vereinsmitgliedern erbracht. Hans-Joachim Eulenfeld (Platzbau) und Henry Laudan (Clubhausneubau) haben sich bleibende Anerkennung für ihr jeweils federführendes umfangreiches Engagement erworben. In den Jahren von 1960 bis 1989 entwickelte sich unser Verein zu einem der sportlich erfolgreichen Vereine im damaligen „Ostberliner Tennissport“. In der besten Zeit, in den 80-iger Jahren, waren z.B. alle 1. Mannschaften (Kinder, Jugend, Damen und Herren) in der jeweils höchsten Ostberliner Spielklasse am Wettspielbetrieb beteiligt. Mit Klaus Thieman (AK 45) und Ulli Lehmann (AK 35) stellten wir 1988 jeweils den DDR-Einzelmeister. Dagmar Buttgereit wurde 2010 Europameisterin im Beach-Tennis bei den Damen allg emeine Klasse. Auf der Anlage spielten in den 80ziger Jahren zwischen 150 und 200 Mitgliedern, darunter rund 60 Kinder und Jugendliche, regelmäßig Tennis.

In unserer kurzen historischen Betrachtung zum Tennissport im Herzen Lichtenbergs wollen wir heute im 60. Jahr unserer Vereinsgeschichte stellvertretend für alle ehemaligen und noch aktiven Funktionäre, ohne die die geschilderte positive Entwicklung nicht möglich gewesen wäre, alle bisherigen Sektionsleiter und Vereinsvorsitzenden für ihre in zwischen drei und 12 Jahren währende ehrenamtliche Tätigkeit zum Wohle des Lichtenberger Tennissports in chronologischer Reihenfolge durch namentliche Nennung ehren. Es sind dies die Sportfreunde Heinz Rückmann (Einheit Lichtenberg) Werner Grünzig (Einheit Friesen), Hans Sadowski (Einheit Friesen), Dr. Rainer Ruben (HSG), Karl-Heinz Osbar (Einheit Friesen), Dr. Manfred Wilke (HSG), Siegfried Laudan (Einheit Friesen u. LTC), Jochen Braun (LTC), Dieter Meißner (LTC), Andreas Bohn (LTC) und Prof. Dr. Klaus Ahrends (LTC).

Heute sind die Voraussetzungen für den Freizeit- und Erholungssport auf unserer Anlage besser als je zuvor. Deshalb wünschen wir uns, dass besonders Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene zu uns finden und als Mitglieder unsere guten Traditionen bei Sport, Spaß und Erholung im Verein fortsetzen fortsetzen.

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